Drohnen: Fliegende Werkzeuge für Terroristen?

von
Friederike Nielsen
12/4/2016

Zwei unabhängige Forschungsinstitute haben Anfang des Jahres davor gewarnt, dass Terroristen Consumer-Drohnen für Terroranschläge missbrauchen könnten: die britische Oxford Research Group und der niederländische Armament Research Service ARES. Beide Forschergruppen erklären, dass mit handelsüblichen Drohnen Militärtechnologie in die Hände von Zivilisten gelangt sei. Im Bericht der Oxford Research Group heißt es: „Auch wenn es noch einen großen Unterschied zwischen den Fähigkeiten militärischer und ziviler Drohnen gibt, bieten handelsübliche Drohnen Bastlern, Unternehmen und feindlichen Gruppen Zugang zu Möglichkeiten, die für sie vorher nicht verfügbar waren.“

Der IS kennt sich mit Drohnen aus

Die Forscher haben verschiedene Gruppen identifiziert, die Drohnen für illegale Zwecke einsetzen könnten, unter anderem Terroristen, Rebellen, Kriminelle, Aktivisten und „einsame Wölfe“, d.h. Einzelgänger wie der Mann, der 2015 den Anschlag auf das Radrennen am 1. Mai 2015 in Frankfurt geplant haben soll. In einem Interview mit der amerikanischen Nachrichten-Website „The Daily Beast“ meint Chris Abbot, Chef der Oxford Research Group, es sei durchaus denkbar, dass der IS einen Terroranschlag mit einem Drohnenschwarm auf ein westliches Stadion verübe. Der IS nutze Drohnen bereits im Irak und in Syrien zur Aufklärung und schule Kämpfer in deren Beschaffung und Bedienung. Die Angriffe könnten zusätzlich zu Propagandazwecken genutzt werden, indem der IS die Drohnen mit Kameras ausstatten und die Luftbilder live ins Internet streamen würde.

"Okay, das ist eine Bombe"

Bisher sind verheerende Anschläge mit Drohnen glücklicherweise ausgeblieben, doch zahlreiche Zwischenfälle machen das Risiko deutlich: Im Herbst 2014 wurden wiederholt mysteriöse Drohnen über französischen Atomkraftwerken gesichtet, und im Januar 2015 stürzte eine kleine Drohne direkt vor das Weiße Haus. Während der US Open im September 2015 krachte eine Drohne während eines Tennis-Matches in die Tribüne. Tennisspielerin Flavia Pennetta sagte hinterher, sie habe gedacht „Ok, das ist eine Bombe.“

Wie real die Gefahr eines Anschlags mittels Drohne ist, zeigte auch ein Zwischenfall in Japan im April 2014: Ein Atomkraftgegner flog eine Drohne auf das Dach des japanischen Regierungssitzes. An Bord hatte sie eine Flasche mit radioaktivem Sand, der bis zu 1,0 Mikrosievert pro Stunde abstrahlte. Während des Atom-Gipfels im April 2016 warnte der britische Premierminister David Cameron vor der Gefahr, dass IS-Terroristen Drohnen nutzen könnten, um radioaktives Material über westlichen Städten zu versprühen.

Kombination aus verschiedenen Schutzmaßnahmen

Zum Schutz vor solchen Anschläge empfiehlt Chris Abbot eine Kombination von Maßnahmen: „Sie brauchen eine vielschichte Verteidigung, die mit der Regulierung und Registrierung von Drohnen-Besitzern beginnt, eine zweite Schicht, die den Besitz größerer und leistungsfähigerer Drohnen einschränkt und dann müssen Sie Systeme haben, die vor Angriffen warnen und die Steuerungskanäle der Drohnen jammen können, und als letzte Verteidigungslinie die Fähigkeit, die Drohnen abzufangen und abzuschießen.“

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